Mit dem IC9700 per Terminal- oder Repeatermode über Hamnet anbinden

Wer den Icom IC9700 einsetzt hat sicherlich schon gehört oder gelesen, dass man den Transceiver als Terminal oder Repeater (Hotspot) zum Einstieg ins STAR-Netz nutzen kann.
Die Beschreibungen im Handbuch beziehen sich in der Regel auf die Japanische Sicht, wo das Netz mit kommerziellen Icom-Gateways betrieben und nur Callsign-Routing genutzt wird. Das passt bei uns nicht immer, es gibt in ganz Europa kaum noch irgendein Icom-Gateway mit der Original Icom-Software und Callsign-Routing nutzt auch niemand mehr, viele Gateways können das gar nicht. Wir nutzen Eigenbau-Systeme, die meisten mit der Software „ircDDBGateway“, Eigenbau-Repeater, oft Multimode-fähig, und Reflectoren statt Callsign-Routing.
Auch die von Icom herunterladbaren Datenfiles mit den Reflectoren des REF-Systems sind bei uns nicht mehr zeitgemäß.
Dinge wie Multimode-Repeater (MMDVM) und Multimode-Reflectorsysteme wie XLX sind bei der Entwicklung und Dokumentation nicht berücksichtig worden.
Man sollte deshalb generell mit dem was im Handbuch steht vorsichtig sein und sich bei lokalen Quellen schlau machen.

Hier eine Beschreibung wie man den Transceiver bei uns ans Netz bringt und Reflectoren nutzt. Ich beschreibe es konkret anhand unserer DSTAR-Gateways im Hamnet.

Netzanbindung:
Als erstes muss man den Transceiver ans Netz bringen, entweder ans Hamnet oder ans Internet.
Man kann den IC9700 dazu direkt in sein LAN und über seinen Router ins Internet oder Hamnet hängen oder aber einen PC zwischenschalten.
Ich habe es direkt gemacht, ohne PC. Nach meinem Verständnis ist der Weg über den PC für den DATA-Mode gedacht, so zeigt es auch das entsprechende Menü. Ich hab es aber nie selbst ausprobiert.

Wie man einen Hamnet-Zugang per VPN bekommt, sofern man keinen Hamnet-Einstieg über Funk in der Nähe hat, findet Ihr hier bei www.prgm.org unter dem Menüpunkt „Hamnet“ ganz am Ende.
(Der IC9700 selbst bringt Euch per Funk nicht ins Hamnet, die Einstiege sind in der Regel WLAN-Einstiege im Bereich 2.4 oder 5.6GHz)

IP-Konfiguration:
Im Menü des IC9700 findet man unter Menu -> Set -> Network die Netzwerkeinstellungen. Hier kann man entweder IP-Adresse, Default-Gateway manuell eintragen oder per DHCP von einem DHCP-Server übernehmen.
(„Default-Gateway“ ist hier das IP-Gateway / der Router im eigenen Netz, also z.B. die Fritz!Box oder hier am Beispiel beim Betrieb am Hamnet der Router oder PC, der per Link oder VPN ins Hamnet routet. Es hat nichts mit dem „DSTAR-Gateway“ zu tun, was dann später bei den DV-Einstellungen kommt).

Der DNS-Server im Hamnet ist üblicherweise 44.148.228.53.
Was man als Network Name einstellt ist freigestellt, ich weiß nicht wofür der gebraucht wird.

Nutzt man DHCP werden diese Einstellungen grau dargestellt und man kann sie nicht manuell ändern. Wer DHCP nutzt und ins Hamnet will, sollte wissen was er tut.

Die nachfolgenden Settings in diesem Menu, wie die verwendeten Ports, sollte man so lassen wie sie sind.

Wichtig ist noch ein kleiner Hinweis im Handbuch: der UDP-Port 40000 muss eingehend auf den IC9700 gemappt werden. Im Hamnet ist das normal kein Problem, da hat jedes Gerät seine eigene IP-Adresse und bekommt alle Ports direkt aus dem Netz, beim Betrieb hinter einem Router, wie am Internet oder hinter einem VPN-Router, nutzen aber alle im LAN/WLAN angeschlossenen Geräte nach außen hin die gleiche IP-Adresse, nämlich die des betreffenden Routers, deshalb muss der Router in den NAT-Einstellungen so konfiguriert werden, dass er den UDP Port 40000 an die Adresse des IC9700 weiterleitet.
(Falls man das nicht macht wird man zwar gehört, rausgehend klappt es, es kommt aber kein Audio rein, denn das wäre der Stream, der auf UDP-Port 40000 reinkommt und dann im Router verloren geht wenn er nicht weiß an welches Gerät im LAN er ihn schicken soll).

DV GW Konfiguration:
Als nächstes folgt die DSTAR-Konfiguration.
Die findet man im Menu unter „DV GW“ auf der 2. Seite der Übersicht, die man durch Tippen auf die 2 in der unteren Zeile erreicht.

Die ersten beiden Punkte dieses Menüs werden erst nach Abschluss der Konfiguration interessant, hier aktiviert man dann den Terminal- oder den Repeater-Mode, bzw. kommt wieder zurück zum Normal-Modus.

– Beim Terminal-Mode arbeitet der IC9700 als Terminal, d.h. man spricht ins Mikrofon und die „Aussendung“ wird direkt über das Netzwerk zum konfigurierten DSTAR-Gateway ins DSTAR-Netz übertragen. Es ist keine HF im Spiel, der Transceiver nutzt nur seinen NF-Zweig und den AMBE-Encoder/Decoder.

(Quelle: Icom Advanced User Manual, Kapitel 11 „About the DV Gateway Function“)

– Beim Repeater-Mode wird der Transceiver als Repeater genutzt.
(Eigentlich als Simplex-Hotspot, denn Repeater arbeiten üblicherweise voll-duplex. Icom spricht mal von „Repeater“, mal von „AP“ / „AccessPoint“)
Man sendet mit einem anderen DSTAR-Gerät zum IC9700 und der überträgt die Aussendung dann per Netzwerk an das DSTAR-Gateway, ähnlich wie es mit den vielen Hotspot-Dongles, DV4mini etc. möglich ist…. nur größer 🙂
Beim „Repeater“-Betrieb muss die Frequenz eingestellt werden.
(Nach Bandplanempfehlung liegen Frequenzen für bemannte Digital-Voice Hotspots und Simplexbetrieb – also die ohne spezielle Lizenz – bei uns in DL im bereich von 433,6125 bis 433,9875 MHz im 12,5kHz-Abstand).

(Quelle: Icom Advanced User Manual, Kapitel 11 „About the DV Gateway Function“)

Zur weiteren Konfiguration stellt man die Einstellung „Gateway Select“ auf „Internal Gateway (LAN)“.
(Mit dem „External Gateway“ funktioniert das Ganze über einen vorgeschalteten PC oder ein Android-Gerät, nicht dem IC9700 direkt am Internet oder Hamnet. Dieser Mode ist nach meinem Verständnis für den DATA-Mode gedacht. Den gibt es bei uns nicht in der von Icom gedachten abgeschlossenen Form, nur im Netz von Icom-Gateways, wie dem US-Trust-Netzwerk)

Anschließend geht man in die zugehörigen „Internal Gateway-Settings“ und stellt dort unter „Gateway Repeater (Server IP/Domain)“ die IP-Adresse des DSTAR-Gateways ein über das man ins DSTAR-Netz einsteigen will.
(Bei unseren Tests hat der Domainname nicht funktioniert, wir mussten die IP-Adresse benutzen)
Bei uns nutzen DB0LJ und DB0MYK aktuelle Software – DB0MYK auch erst seit dem Umbau auf einen neuen Rechner vor wenigen Wochen.
Bei DB0MYK ist das die Hamnet-IP-Adresse 44.149.73.66, bei DB0LJ ist es die 44.149.73.7
Beide Gateways funktionieren gleich, es macht für die Erreichbarkeit von Zielen hinterher keinen Unterschied welches Gateway man nimmt, jedoch empfehle ich in diesem Fall DB0LJ. Bei DB0MYK ist es einfach nur ein HF-Hopp hin und her mehr, denn das Gateway befindet sich am Ende einer Sackgasse, man baut also unnötige Latenz ein.
(Diese DSTAR-Gateways werden als Anbindungspunkt genutzt um ins DSTAR-Netz zu kommen, das heißt nicht, dass man dort gehört wird oder lokal irgendwas auslöst oder lokal gebunden ist)

Eine ganz wichtige Grundvoraussetzung ist, dass das DSTAR-Gateway über das man ins DSTAR-Netz einsteigen will, diesen Dienst überhaupt anbietet.
Dazu gehört es z.B., dass eine Software installiert ist, die diesen Terminal-Mode des Icom IC9700 unterstützt.
Es sind derzeit noch recht alte Versionen von ircDDBGateway bei uns im Einsatz. Die meisten DSTAR-Gateways in Europa findet man hier, wo man auch den Softwarestand erkennt: https://status.ircddb.net/
Wie man dort leicht sieht, sind teilweise Software-Stände von 2015 im Einsatz, einer Zeit als fertige Installationspakete ausgelaufen sind und wo danach Updates schwerer wurden.

Im Menü folgt dann der Menüpunkt „Terminal/AP Callsign“.
Hier gibt man das gewünschte Rufzeichen seines Terminals oder AP ein, wie üblich mit einem frei wählbaren Modulbuchstaben. Das ist das eigene Rufzeichen, das des IC9700, des eigenen Terminals oder Accesspoints, nicht das irgendeines Repeaters oder Gateways. Ich nutze hier z.B. „DL5DI I“.
(vorne das Rufzeichen und der Modulbuchstabe dann wie bei DSTAR üblich an 8. Stelle, dazwischen mit Leerzeichen aufgefüllt)

„Gateway Type“ steht auf „Global“, der Rest ist egal.
Das Ganze sieht bei mir am Ende so aus:

Test / Betrieb:
Hatte man Netzwerkeinstellungen geändert muss man den Transceiver zunächst einmal neu starten bevor sie aktiv werden.
Nun aktiviert man im Menü „DV GW“ den gewünschten Punkt „Terminal Mode“ oder „Repeater Mode“.
Ist er einmal aktiv kann man später einfach wie gewohnt über die Taste „Call/DR“ (einmal lang drücken) in den DR-Modus kommen und landet automatisch im gewählten Mode.

Man bekommt eine Tabelle mit 2 Zeilen angezeigt.
Die untere ist bereits richtig eingestellt und zeigt „Terminal Mode (Int)“ bzw. „Repeater Mode“ und das zuvor eingestellt eigene Call mit der SSID des IC9700 Terminals bzw. Hotspots.
In der ersten Zeile stellt man nun das Ziel ein. Man tippt dazu in die Zeile und wählt z.B. „Direct Input (UR)“

Ich empfehle beim Testen zunächst einen Reflector als Ziel zu nehmen, der erreichbar ist, denn bei den Repeatern ist das wie oben schon angesprochen nicht immer unbedingt gegeben.
Ich setze z.B. als Ziel ein „/XLX262U“ – der ist aber nur im Hamnet erreichbar, also wenn man über DB0LJ oder DB0MYK in der beschriebenen Weise einsteigt!
(-> der Modulbuchstabe – hier „U“ – muss wie in DSTAR üblich an 8. Stelle stehen! Bei Rufzeichen und Reflector-Namen mit 6 Zeichen ist das automatisch gegeben, bei Repeater-Rufzeichen mit nur 5 Buchstaben oder weniger, oder Callsign-Routing, also ohne den Schrägstrich am Anfang, muss zwischen dem Rufzeichen und dem Modul mit Leerzeichen aufgefüllt werden. Ich sehe ab und an, dass Nutzer die Rufzeichen schön formatieren, zentrieren, oder das Modul an 7. Stelle. Das funktioniert nicht, vorne darf kein Leerzeichen stehen, das wird in der Datenbank nicht gefunden und das Modul muss an 8. Stelle. Es geht nicht um Schönheit, das sind benötigte Daten zum Auffinden von Routinginformationen in der Datenbank)

Drückt man dann die Sendetaste sollte man auf dem Reflector gehört werden.
Wer 2 Geräte hat kann sich auf einem anderen Repeater zur Kontrolle selbst zurück hören.
(Testen sollte man selbstverständlich nicht auf Reflector-Modulen wo massenhaft Repeater angebunden sind und es an hunderte von Zuhörern rausgeht, wo bei kurzem Drücken der PTT hunderte von Geräten dann das Rufzeichen automatisch ansagen … das nervt und man macht sich damit keine Freunde.
Das gilt auch für das regelmäßige automatische Aussenden von Standort-Daten über Reflectoren, auch das gehört da nicht hin und kann zur Sperre führen.
Für längere Tests ist das Echo-Modul eines Reflectors gedacht)

Beenden des Terminal/Repeater Modes
Es gibt verschiedene Wege zurück in den normalen Betrieb, so z. B.:
Unter Menu -> DV GW steht an 1. Stelle nun statt „Terminal Mode“ „Normal Mode“. Einmal drauftippen und ab sofort läuft der DV-Betrieb wieder im Normal-Modus über HF.

Warum per Hamnet?
Ich hoffe, dass diese Beschreibung dem einen oder anderen weiterhilft.
Ich selbst bin seit vielen Jahren mit am Ausbau des Hamnets beteiligt und betreibe verschiedene Server am Hamnet und in der HamCloud. Ich bevorzuge diesen Weg, weshalb ich mich bei der Beschreibung im Detail auf das Hamnet konzentriert habe.
Das Hamnet steht allen lizenzierten Funkamateuren offen. Man braucht dazu keinen großen Aufwand treiben, es gibt diverse Möglichkeiten einfach per VPN einzusteigen.
Ein grosser Vorteil ist die Sicherheit. Man hat sich einmal authentifiziert indem man sich ins VPN eingeloggt hat und hat damit Zugriff auf Dinge, die man im Internet eigentlich nicht oder nur eingeschränkt betreiben kann, weil es sehr schwer ist sie nach den Gesetzesvorgaben per wirksamer Authentifizierung gegen nicht-lizenzierte Benutzer ab zu sichern.
Hinzu kommen Dinge wie feste IP-Adressen, Anbindung von Standorten, wo es keinen Internetzugang gibt, volle Einbeziehung von Diensten, wo es über einen Internet-Router gar nicht geht (Beispiel folgt unten), eigenes Routing, schnelle Cloud-Dienste… eine große experimentelle Komponente und vieles mehr.
Dennoch möchte ich abschließend noch eine kurze Info zum Zugang per Internet geben.

Zugang per Internet:
Voraussetzungen:
1. Das DSTAR-Gateway über das man ins DSTAR-Netz einsteigen will hat eine Software installiert, die diesen Terminal-Mode des Icom IC9700 unterstützt.
Details wie oben beim Hamnet-Zugang.

2. Der für den Terminal-Mode erforderliche UDP-Port 40000 ist bei dem betreffenden DSTAR-Gateway zugänglich.
Das kann man leider nirgendwo erkennen, muss es probieren oder erfragen.
Ein Grund warum das nicht der Fall ist kann z.B. sein, dass mehrere Gateways den gleichen Internet-Zugang nutzen.
So ist es z.B. an unseren Standorte, aber nicht nur dort:
Wir betreiben z.B. die DSTAR-Gateways DB0MYK und DB0LJ mit den Repeatern DB0MYK, DB0LJ und DB0RPL zwar an vollkommen unterschiedlichen Standorten, aber über Hamnet-Strecken alle am gleichen Internetanschluss, denn vor Ort gibt es den bei keinem Standort.
Der Internet-Router kann den von Icom fest vorgegebenen UDP-Port 40000 nur an eines dieser Gateways weiterleiten, er hat kein Kriterium wonach er sich für ein bestimmtes entscheiden könnte. Der Datenstrom ist UDP eingehend, kann deshalb nicht einem ausgehenden Traffic zugeordnet werden.
Es ist aber noch schlimmer, dieser Port 40000 wird auch zwischen den Gateways für Callsign-Routing benutzt, also kann auch nur eins der Gateways bei gemeinsamer Nutzung eines Internetanschlusses Callsign-Routing anbieten.
Welches nehme ich nun, DB0LJ direkt am Internet-Zugang, was günstiger ist für den IC9700-Terminal-Mode, oder DB0MYK mit 3 Repeater-Zugängen und wesentlich größerem Einzugsbereich und größerem Interesse an Callsign-Routing?
Innerhalb des Hamnets ist das gar kein Problem, jedes Gateway hat seine eigene IP-Adresse, seinen eigenen zugänglichen UDP-Port 40000 und ist individuell ansprechbar. Das Problem tritt nur auf, wenn man aus dem Internet auf Gateways im Hamnet zugreift.

3. Eine weitere Voraussetzung ist, dass das DSTAR-Gateway eine bekannte und erreichbare IP-Adresse hat, die man wie oben beschrieben im Transceiver eintragen muss. Viele DSTAR-Gateways hängen irgendwo an einem privaten DSL-Anschluss und haben dynamische IP-Adressen, die sich öfters ändern.
Zwar haben alle Gateways im ircDDB-Netz (https://status.ircddb.net/) automatisch einen Hostnamen der Form <Rufzeichen>.gw.ircddb.net, wie z.B. db0lj.gw.ircddb.net und db0myk.gw.ircddb.net usw., da aber nach unseren Feststellungen offenbar der Domainname im IC9700 nicht funktioniert, hilft das nicht. … andere mögen es bitte testen, vielleicht liegt es an uns …
Ansonsten bleibt nur der Weg die aktuelle IP-Adresse vor dem Betrieb jeweils nach zu sehen (z.B. unter Windows im CMD-Fenster „nslookup db0lj.gw.ircddb.net“ und im IC9700 entsprechend bei Änderungen immer um zu konfigurieren.

.. und zur Verdeutlichung des Problems mit der Weiterleitung von Port 40000 zum DSTAR-Gateway, DB0MYK hängt am gleichen Internetanschluss, hat also auch die gleiche IP-Adresse:

Im Hamnet haben die Gateways grundsätzlich statische IP-Adressen, da gibt es dieses Problem nicht.

Ich wünsche viel Erfolg und viel Spaß mit dem IC9700 und im DSTAR-Terminal- oder Repeater-Mode.

Vy 73
Hans-Jürgen DL5DI

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